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Vor dem Kauf (Ratgeber)


1. WELCHES TELESKOP SOLL ICH MIR KAUFEN?

Gute Frage, schlechte Antwort: Das kommt ganz auf den Verwendungszweck an. Die Teleskoptypen haben alle ihre Vor und Nachteile.
- Linsenteleskop: + Aufrechtes Bild (Naturbeobachtung), wartungsfrei, bequemer Einblick, kinderfreundlich.
- Spiegelteleskop: + viel Licht fürs Geld, besonders mit Dobson Montierung, farbrein, sowohl niedrige als auch hohe Vergrößerung.
- Maksutov/Schmidt-Cassegrain: + sehr kompakt, aufrechtes Bild.

Für rein astronomische Verwendung ist der wichtigste Faktor, dass das Teleskop viel Licht sammelt. Die Regel ist einfach: Je größer desto besser! Weil bei großen Öffnungen auch Linsenteleskope astronomisch teuer werden, hat das Spiegelteleskop da die Nase vorn, und auch wegen seiner relativ universellen Einsetzbarkeit. Am günstigsten als Dobson. Eine Weisheit besagt aber: Das beste Teleskop ist das, welches am häufigsten benutzt wird. Und das muss nun nicht zwangsläufig das teuerste oder größte sein, und schon gar nicht das schwerste.

2. MIT WELCHER MONTIERUNG SOLL ICH MEIN TELESKOP KOMBINIEREN?

Wann immer man mit Neueinsteigern und Interessierten ins persönliche Gespräch kommt, tauchen oft wiederkehrende Fragen zum diesen faszinierenden Hobby auf, die Antworten sind oftmals nicht pauschal zu treffen, aber die wichtigsten Fragen und Antworten seien nun einmal aufgegriffen und beantwortet.

Grundsätzlich steht man als Einsteiger vor der Wahl der Montierung: Parallaktische Montierungen erleichtern die Nachführung, dass heißt, das beobachtete Objekt läuft bei hoher Vergrößerung durch den Ausgleich der Erddrehung (mittels Motor oder händisch) nicht mehr aus dem Gesichtsfeld. Die azimutale Montierung wird nicht auf den Himmel ausgerichtet, sie hat zwei Achsen für die Bewegung auf-ab und links-rechts. Einen anderen Weg geht die Dobsonmontierung, diese vom Aufbau her sehr einfachen Montierungen haben den Vorteil, dass sie vergleichsweise stabil sind (auch im günstigen Preissegment) und dass dadurch ein Großteil der Kosten in die größere Optik fließt, bei parallaktischen Montierungen ist diese Gewichtung genau umgekehrt und man muss darauf achten, dass das Teleskop nicht zu gross wird um weiterhin genug Stabilitätsreserven zu haben.

Brauche ich eine automatische Nachführung?
Da, wie gesagt, die Erde sich leider dreht, muss das Fernrohr den sich bewegenden Himmelsobjekten nachgeführt werden. Dies geschieht dann entweder mit Wellen an den Achsen manuell oder durch Motoren welche die Nachführung automatisch übernehmen. Das ist natürlich eine angenehme Sache, wenn man das beobachtete Objekt immer schön zentriert hat und sich der Beobachtung in Ruhe widmen kann. Insbesondere bei hohen Vergrößerungen erleichtert eine automatische Nachführung das Beobachten ungemein. Bei einer äquatorialen Montierung braucht es dazu nur einen Motor/Welle an der Achse die auf den Pol zeigt, bei azimutalen Montierungen sind zwei Motoren/Wellen dazu nötig. Auch zum Fotografieren ist eine Nachführung unbedingt nötig, für Planeten/Mond Aufnahmen mit Webcam reicht eine einfache Motorisierung wegen den kurzen Belichtungszeiten, wenn man aber in Richtung Langzeitbelichtung für Galaxien und Sternhaufen gehen will muss die Nachführung extrem genau sein damit die Sterne auch wirklich Punkte werden. Die Langzeitfotografie ist die Königsdisziplin der Astrofotografie, die gute Ausrüstung und viel Erfahrung benötigt, nicht zuletzt auch bei der Bildbearbeitung am Computer.

Brauche ich eine automatische Objektpositionierung?
Angenehm, aber Vorsicht: Manche glauben, dass beim Kauf eines sog. "GoTo" Teleskops wird einem die Arbeit, den Himmel kennenzulernen und die Objekte einzustellen komplett erspart. Zumeist aber muss die Montierung zum Polarstern genau ausgerichtet, und danach ein, zwei, oder drei Sterne manuell eingestellt werden, um der Elektronik mitzuteilen, in welche Richtung das Teleskop "sieht". Oft sieht man den Einsteiger dann mit der teuren Elektronik hadern statt den Himmel zu bewundern. Auch preiswerte GoTo-Montierungen, welche nicht nach Norden ausgerichtet werden müssen, brauchen so eine Prozedur zur Eichung. Dann zeigt das Teleskop zwar auf die richtige Himmelsposition, gesehen wird jedoch am Teleskop oft nichts, weil das angepeilte Objekt für das verwendete Instrument zu lichtschwach ist. Das Gerät kann überdies nicht von Hand bewegt werden, weil der Motor fest verkoppelt ist. Es ist fraglich, ob statt in eine Elektronik mit 40.000 vorgespeicherten Objekten (wovon aber nur ca. 100 Objekte genug hell sind um sie mit dem kleinen Teleskop zu sehen) nicht besser in ein größeres Teleskop oder stabilere Montierung investiert werden sollte. Es gibt auch schon komplett sich selbst einstellende Geräte, allerdings sind diese sehr teuer und wieder nur mit kleinen Teleskopen bestückt.

Verwende ich mein Teleskop nur visuell am Himmel?
In dem Fall sollte man die Dobson-Montierung überlegen. Die einfache Rockerbox (IKEA-feeling) ist stabil und kostet praktisch nichts. Das für Teleskop verwendete Geld wird praktisch ausschließlich in die Optik investiert. Als Beispiel nehmen wir ein 200mm Dobson Teleskop, welche ca. das gleiche kostet, wie ein 100mm Refraktor auf EQ3 Montieung (ca. 450 Euro). Der Vorteil: Der größere Dobson sammelt 4× so viel Licht wie das Linsenteleskop, der Nachteil: Kein Betriebskomfort, wie z.B. manuelle Feinbewegung usw… Es ist jedoch eine geldbörsenschonende Lösung, wenn jemand den Himmel kennenlernen und lichtschwache Objekte oder Planeten visuell erforschen will.

Verwende ich mein Teleskop auch für Naturbeobachtung?
Für Naturbeobachtung kommt meist die azimutale Montierung zum Einsatz. Es gibt aber genug "überdimensionierte" Fotostative (Safari, AZ3, AZ4, CVN-II, Porta-2, Merlin, AllView...) auf den Markt, welche die Instrumente auch bei höheren Vergrößerungen oder bei Fotografie stabil genug halten können. Dank eines einheitlichen Prismenschienen-Systems kann das gleiche Teleskop sowohl an astronomische als auch an naturbeobachtungtaugliche Montierungen befestigt werden.

3. WAS KANN ICH MIT MEINEM TELESKOP SEHEN?

Was man mit einem Teleskop sehen kann hängt von einigen Faktoren ab. An erster Stelle ist hier die Öffnung zu nennen, also den Durchmesser der Linse oder des Spiegels. Die Öffnung bestimmt die Lichtmenge die gesammelt werden kann, was insbesondere bei der Vielzahl von so genannten Deepskyobjekten (Nebeln, Galaxien etc.) wichtig ist, in kleineren Teleskopen erscheinen diese dann sehr viel schwächer oder sind gar überhaupt nicht zu sehen. Des Weiteren bestimmt die Öffnung auch das Auflösungsvermögen, je größer also die Öffnung ist, desto feinere Details können wahrgenommen werden. Dies alles unterliegt dann aber auch der Qualität des Spiegels bzw. der Linse. Eine erstklassige Optik kann mehr zeigen als eine grottenschlechte, selbst wenn diese etwas (!) größer ist, häufig wird allerdings auch die Qualität zu sehr in den Vordergrund gestellt. So kann ein erstklassiger 4-Zoll Refraktor bei aller Exzellenz nicht annähernd so viel zeigen wie ein durchschnittlicher 8-Zoll Spiegel, aber im Rahmen seiner Öffnung zeigt das hochwertige Gerät entscheidend mehr als ein einfaches Modell.

Was kann man nun sehen? Beginnen wir vor unserer Haustür:

Mond
Mond ist sicher das erste Ziel für alle Einsteiger. Bereits für ungeübte Augen zeigt unser Trabant eine Menge Details, aber auch erfahrene Amateure finden immer was Neues zu beobachten. Am interessanteste ist die Schattengrenze: Hier sind die Schatten am längsten und das Mondrelief am deutlichsten. Sie wandert täglich fort und zeigt dadurch immer wieder neue Formationen.

Planeten
Leicht mit dem bloßen Auge zu sehen sind Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Auf Mars, Jupiter und Saturn sind im Teleskop Strukturen der Oberfläche bzw. der Atmosphäre zu beobachten, bei Venus und Merkur die Phasengestalt. Auch in kleinen Optiken ist mitunter schon einiges an Details zu erkennen. Andererseits sind die Planeten nicht immer sichtbar und die Größe des Planetenscheibchens variiert mitunter sehr stark, so ist beispielsweise Mars nur alle zwei Jahre nah genug (in Opposition) um Details ausmachen zu können - und nicht jede Opposition bietet gleich gute Bedingungen.

Einzel- und Doppelsterne
Eie wichtige Tatsache ist, dass alle Sterne (mit einer einzigen Ausnahme – unsere Sonne) egal wie hoch man vergrößert immer punktförmig bleiben. Was aber schon mit bloßem Auge an vielen Sternen sehr schön zu sehen ist, sind die unterschiedlichen Farben der Sterne. Man betrachte einfach mal den offensichtlichen Unterschied zwischen zwei Sternen im Sternbild Orion, zum einen den roten Überriesen Beteigeuze an der linken Schulter und den blauen Rigel am rechten Fuss des Orion. Besonders gut fallen Farbunterschiede bei Doppelsternen auf. Einer der bekanntesten und auch schönsten ist sicherlich Albireo im Schwan. Doppelsterne können auch für das kleinere Teleskop ein sehr lohnendes Ziel darstellen.

Kugelsternhaufen
Kugelsternhaufen kann man auch als Trabanten unserer Milchstrasse (unserer Heimatgalaxie) bezeichnen. Sie sind i.d.R. sehr weit von uns entfernt. Kugelsternhaufen bestehen aus Hunderttausenden von Sternen die kugelförmig angeordnet sind und sie sind durchweg sehr alte Objekte. Sie sind mit über 12 Milliarden Jahren nur unwesentlich jünger als das Universum selbst. In kleinen Teleskopen kann man die hellsten Vertreter schon als neblige runde "Wattebäusche" erkennen. In größeren Amateurinstrumenten werden sie in Einzelsterne aufgelöst, ein Anblick der schier atemberaubend ist und den man nicht so schnell vergisst.

Planetarische Nebel
Planetarische Nebel verdanken ihren Namen ihrer runden, einer Planetenscheibe ähnelnden Form. Sie entstanden aus der Abstoßung der Gas- und Plasmahülle eines sterbenden Sterns. Sie sind ganz im Gegensatz zu den Kugelsternhaufen junge Objekte, meist nur einige Tausend Jahre alt. Die Ausdehnung der planetarischen Nebel ist eher gering, deshalb muss man bei diesen Objekten hoch vergrößern um sie von einem Stern zu unterscheiden. Der bekannteste Vertreter seiner Art ist wohl der Ringnebel M57 in der Leier, dessen Ringform bei guten Bedingungen auch schon in kleineren Teleskopen zu sehen ist.

Galaktische Nebel
Diese Nebel sind Gas- und Staubmassen, die von nahen Sternen zum Leuchten angeregt werden und dadurch Licht emittieren (Emissionsnebel) oder aber das auf sie einfallende Sternlicht nur reflektieren ohne selbst zu strahlen (Reflexionsnebel). Sie bestehen meist zum größten Teil aus Wasserstoff und einigen anderen Elementen (vor allem aus Sauerstoff, Kohlenstoff, Helium). Es gibt einige recht helle Vertreter dieser Gruppe von Objekten, das bekannteste dürfte zweifellos der Orionnebel M42 sein. Um die meisten galaktischen Nebel gut und detailreich beobachten zu können bedarf es aber schon einer gewissen Teleskopöffnung und mitunter auch dem Einsatz von Nebelfiltern, die nur bestimmte Wellenlängen, nämlich genau die von den Nebeln emittierten Linien (H-alpha, H-beta, O-III, usw…) durchlassen und somit den Kontrast erhöhen.

Galaxien
Diese für viele ganz besonders interessante Objektgruppe sind Welteninseln wie auch unsere Milchstraße eine ist, bestehend aus meist vielen Dutzenden von Milliarden Sternen. Mindestens eine Galaxie kann man in vielen Nächten sogar schon mit dem bloßen Auge zu sehen, unsere größte Nachbarin - die Andromeda Galaxie M31 in "nur" etwa 2,5 Millionen Lichtjahren Entfernung. M31 ist auch schon in kleineren Teleskopen erkennbar, allerdings sind Details wie Spiralarme u.ä. erst mit wesentlich größeren Instrumenten sichtbar. Am Südhimmel kann man mit bloßem Auge zwei sehr nahestehende irreguläre Galaxien bewundern, die kleine und die große Magellansche Wolke.

3.a. Was kann ich mit dem Fernrohr nicht sehen?

Die visuelle Beobachtung mit dem Auge zeigt uns das Universum bescheidener als auf vielen Astrofotos die wir in Büchern oder im Internet finden, weil das menschliche Auge im Gegensatz zu einer Kamera immer nur einen Sekundenbruchteil "belichtet" und keine nachfolgende Bildbearbeitung stattfindet. Trotzdem gibt es Objekte die im Teleskop schöner aussehen können und detailreicher sein können als auf Fotos, weil das Auge z.B. am Mond und Planeten kurze Momente der Luftruhe voll ausnutzen kann. Durch Zeichnen lässt sich die Beobachtungsgabe schulen, und mit Erfahrung wird man viel mehr sehen können als man anfangs für möglich hält.
"Das müssen Sie mit eigenen Augen gesehen haben!"

4. ICH SEHE/FINDE NICHTS MIT MEINEM TELESKOP, WARUM?

Zunächst ist es wichtig, dass man ein paar Voraussetzungen beachtet: Das Teleskop muss scharf gestellt werden, vielleicht fehlt beim Linsenteleskop der Zenitspiegel, das Beobachten durch Fensterscheiben mag zwar im Winter bequem sein, leider haben die Fenster aber keine optische Qualität und ermöglichen kein scharfes Bild. Das Problem das Einsteiger aber am häufigsten plagt ist, dass sie partout nichts finden können am Nachthimmel. Man braucht Geduld, etwas Übung und einen guten Sternatlas, dann stellen sich auch bald Erfolge ein.

Wie finden wir denn nun ein Objekt am Himmel?
Planeten verraten sich schnell durch ihre Helligkeit, Nebel und Galaxien hingegen sind meist mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, wie gehen wir also vor? Es ist ähnlich wenn wir in den Urlaub fahren und zum ersten Mal den Wald betreten. Man erkundet den Hauptweg, und dann immer mehr die Abzweigungen und Schleichwege. Zunächst ist es also wichtig, sich mit den hellsten Sternbildern vertraut zu machen. Ein Planetariumsprogramm mit dem man den Anblick am Himmel simulieren und ausdrucken kann leistet hilfreiche Dienste, unterm Sternenhimmel wird man aber vom Bildschirm oft geblendet – da sind die drehbare Sternkarte und eine Rotlichtlampe eine gute Alternative zur groben Orientierung. Ist einmal klar, welches Sternbild über uns steht, kann man weitergehen und sich in einem Sternatlas die besten Objekte zur Beobachtung mit dem Teleskop heraussuchen und ihre Lage am Himmel relativ zu den hellen Sternen bestimmen. Ein nahestehender Stern wird mit dem Fernrohr-Sucher anvisiert – am besten beide Augen offen halten, der Stern wird anfangs noch gar nicht im Sucher sichtbar sein. Aber man sieht das Fadenkreuz, und mit dem anderen Auge den Stern. Das Teleskop wird dann auf den Stern zu bewegt, und dann taucht der im Sucher auf und kann zentriert werden. Er sollte dann im Teleskop sichtbar sein (vorher sollte man den Sucher zum Fernrohr parallel gestellt haben, damit sie in dieselbe Richtung zeigen, z.B. an einem entfernten Kirchturm). Im Sucher sind nun schon mehr Sterne als mit dem bloßen Auge sichtbar, und wir machen uns mit dem Himmels Ausschnitt den er zeigt vertraut (etwa wie ein Fernglas). Am besten ein paar markante Sterne einstellen, z.B. den Gürtel des Orion, und durch den Sucher betrachten und die Sterne im Sternatlas suchen und Übereinstimmungen finden. Die meisten günstigen Sucher sind umkehrend, der Atlas muss dann um 180° gedreht werden. Ist das einmal gemeistert, geht man daran sich helle Objekte in der Nähe heller Sterne im Atlas herauszusuchen und versucht sie bereits im Sucher zu identifizieren. Im Winter z.B. den Orionnebel im Orion, im Sommer den Kugelsternhaufen M13 im Herkules, im Herbst den Andromedagalaxie in der Andromeda, im Frühjahr am besten den offenen Sternhaufen Präsepe im unscheinbaren Sternbild Krebs, unweit der Zwillinge.
Nach den ersten Erfahrungen wird diese Methode ausgebaut und Objekte gesucht, welche nicht mehr im Sucher sichtbar sind, sondern nur im Teleskop. Man bildet kleine Dreiecke mit im Sucher sichtbaren Sternen oder andere Figuren und stellt Fadenkreuz auf eine scheinbar leere Stelle am Himmel gestellt werden, aber da wir immer mit den umgebenden Sterne im Sternatlas vergleichen, wissen wir ja dass da etwas sein muss. Manchmal muss man mehrere solcher Figuren aneinander hängen um zum Ziel zu gelangen, das nennt man Star-Hopping. Das Kennenlernen des Himmels auf diese Weise, die Objekte sozusagen selbst entdecken, ist so auch Teil der Beobachtung und kann viel Freude bereiten.

Ich sehe Details welche andere beschreiben nicht, warum?
Sehen, genauso wie hören, muss auch geschult werden. Wenn jemand ein erstes Mal in ein Teleskop blickt, kennt er die typische Vorgehensweise astronomische Objekte zu betrachten, wie indirektes Sehen, Dunkeladaptation, ruhige Körperhaltung usw. noch nicht. Genau wie ein guter Dirigent die kleinsten Dissonanzen in seinem Orchester hört, welche ungeübten Ohren versteckt bleiben, kann ein geübtes Auge subtile Details wahrnehmen. In Vereinskreisen drückt man es so aus: "Die Biosoftware eines Einsteigers zwischen Auge und Gehirn ist in der 1.0 Version. Sie wird aber in jeder Beobachtungsnacht upgegradet."

Zeichnen neben dem Teleskop...
...ist die beste Übung um unsere Wahrnehmungsgrenzen "Nicht sehen -- Ahnen -- Erahnen -- Sehen" zu erweitern. Ein unruhiges Bild (welches von Einsteigern oft einfach als "unscharf" eingestuft wird) wird meist durch externe Effekte verursacht. Nicht temperierte Teleskope (von warmer Wohnung plötzlich in die Kälte rausgebracht), unruhige Atmosphäre (z.B. Wind in der oberen Troposphäre, Kaltfront), aber auch hausgemachtes Seeing, wie geöffnete Fenster, vor dem Teleskop sprechende Mitbeobachter (warme Luft steigt aufwärts!!!) oder tagsüber aufgewärmter Beton oder warme Auspuffgase von der Straße, sogar die Wärme der Dächer kann das Bild vollkommen ruinieren. Erst mit einiger Erfahrung können diese Störfaktoren eliminiert werden (optimaler Beobachtungsplatz suchen usw…).

5. KANN ICH AUCH DIE SONNE BEOBACHTEN?

Selbstverständlich, aber nur mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen sonst droht die sofortige Erblindung!!! Okularsonnenfilter gehören direkt in die Mülltonne. Sie sollten in das Okular geschraubt werden, aber sie halten die immense Wärme der vom Objektiv gebündelten Sonnenstrahlen nur kurze Zeit aus und können dann platzen oder schmelzen! Leider sind sie unverständlicherweise immer noch hin und wieder bei Teleskopangeboten zu finden. Eine einfache, günstige und sichere Methode die Sonne zu beobachten ist einen Sonnenfilter mit der visuellen Filterfolie herzustellen, ein Din-A4 Blatt kostet etwa 25€, es gibt für viele Teleskope aber auch schon vorgefertigte Filter in einer Fassung.

Im Weißlicht kann man so auch mit kleineren Teleskopen schön Sonnenflecken auf der Oberfläche der Sonne beobachten und bei entsprechender Qualität und Bedingungen auch Fackelgebiet sowie die Granulation der Sonne bei hohen Vergrößerungen. Eine andere Möglichkeit die Sonne sicher zu beobachten ist die Sonnenprojektion, dazu wird einfach ein Blatt Papier oder ein Projektionsschirm in etwa 30cm Entfernung vom Okular aufgespannt und das Bild der Sonne darauf projiziert. Ganz ungefährlich ist diese Art der Sonnenbeobachtung aber auch nicht, da kein Sonnenschutz vor dem Objektiv ist!

Eine andere und besonders reizvolle Art die Sonne zu beobachten ist im H-Alpha Licht. Ein geeigneter (d.h. unter 1 Angström) H-Alpha Filter bzw. Teleskop lässt nur das Licht in einem sehr schmalen Bereich, dem des ionisierten Wasserstoffs passieren. Die Sonne erscheint im H-Alpha Licht in Rottönen mit vielen feinen Filamenten auf der Oberfläche und Protuberanzen, die innerhalb weniger Stunden hunderttausende Kilometer weit von der Sonnenoberfläche emporschießen können.

6. WIE VERWENDE ICH MEIN TELESKOP?

Die Frage mag kurios klingen, aber oftmals können Einsteiger erst einmal gar nicht so viel mit der neuen, unbekannten Technik anfangen. Viele Fragen um die Bedienung werden auch nicht in den Anleitungen erklärt weil sie von deren Verfassern für selbstverständlich gehalten werden.

Wozu dienen die Okulare?
Da unsere Augen eine Linse vor der Netzhaut haben, muss das Licht vom Objektiv aufbereitet werden. Das Okular kann man als eine Art Lupe verstehen, mit der man den Brennpunkt betrachtet. Je stärker die Lupe, um so höher die Vergrößerung. Um die Vergrößerung zu wechseln muss man also ein anderes Okular benutzen, dieses wird in den Okularauszug gesetzt und mit einer Schraube geklemmt (beim Newtonteleskop befindet sich dieser seitlich am Tubus, bei Linsenteleskopen und SC/Maksutov Teleskopen am hinteren Ende des Tubus). Nun muss das Bild mit dem Feintrieb des Okularauszugs scharf gestellt werden, dabei werden die Brennpunkte von Objektiv und Okular zur Deckung gebracht.

Welche Vergrößerung erhalte ich mit welchem Okular?
Eine einfache aber sehr wichtige Rechnung, die Vergrößerung erhält man wenn man die Teleskopbrenntweite durch die Brennweite des Okulars teilt. Zum Beispiel: Ein 102/1000 Refraktor hat eine Brennweite von 1000mm, benutzt man nun ein 25mm Okular lautet die Rechnung 1000:25=40 – wir erreichen somit eine 40 fache Vergrößerung. Je kleiner die Okularbrennweite, desto höher ist die Vergrößerung, als Faustformel sollte man darauf achten nie über den zweifachen Wert der Öffnung zu gehen – also für ein 4-Zoll (102mm) Teleskop nicht über 200-fache Vergrößerung.

Wozu dient der Zenitspiegel?
Der wird bei Linsenteleskopen oder kompakten Maksutovs zur Umlenkung des Lichtes routinemässig eingesetzt. Durch diese Teleskope blickt man "von hinten" durch, und der beste Himmel ist immer überm Kopf. Das Teleskop zeigt dann direkt nach oben. Um durchzuschauen, müsste man ohne Zenitspiegel also unter dem Teleskop auf dem Rücken liegen. Bei vielen Linsenteleskopen ist der Zenitspiegel gleich in den Strahlengang eingerechnet, sodass man ohne gar nicht scharf stellen kann.


(Text: Benny Hartmann und Tommy Nawratil)